Frau Heinz, nach vier Jahren endet nun das Wildapfelprojekt. Zu welchen Ergebnissen sind Sie und Ihre Projektpartnerin Anke Proft gekommen?

In den letzten vier Jahren haben wir insgesamt 625 Wildapfelbäume im Müglitztal und den angrenzenden Gebieten unter bestimmten Kriterien untersucht, um die Merkmale des echten Wildapfels herauszuarbeiten. Damit wollten wir Informationen darüber gewinnen, wie man den echten von sogenannten Hybriden unterscheiden kann. Und das ist uns gelungen: Wir fanden heraus, dass die Blätter und Blüten des echten Wildapfels keine ausgeprägte Behaarung haben. Die Früchte werden nicht groß, haben einen Durchmesser von 25 bis 30 Millimetern und sind selbst im reifen Zustand sehr sauer.

Welche Apfelform ist für den Wildapfel typisch?

Die Farbe und Form der Früchte sind kein ausschließliches Unterscheidungsmerkmal. So haben wir im Untersuchungsgebiet zehn der zwölf möglichen Apfelformen auch bei Wildäpfeln gefunden. Die Fruchtfarbe reichte von Grün bis Gelb. Allerdings sollten beim echten Wildapfel keine roten Streifen auf der Frucht vorhanden sein. Nach Auswertung der morphologischen und genetischen Untersuchungen können wir sagen, dass 60 Prozent der gefundenen Wildapfelbäume echte Malus sylvestris sind, so der lateinische Fachbegriff.

Was hat Sie bei Ihren Forschungen noch überrascht?

Überrascht waren wir, über die Standortverteilung der Bäume. Unser Untersuchungsgebiet erstreckte sich auf eine 14000 Hektar große Fläche, die sich von Schlottwitz bis an die Grenze zu Tschechien erstreckte. „Ballungszentren“, also Gebiete, wo es sehr viele Wildapfelbäume gibt, machten wir in Johnsbach, Glashütte und Bärenstein aus. Außerdem stellten wir fest, dass über die Hälfte der gefundenen Bäume an Waldrändern und im Wald stehen, die restlichen waren auf Steinrücken, an Wegrändern oder freistehend zu finden. Damit haben wir nicht gerechnet.

Welchen Nutzen haben Ihnen diese Informationen gebracht?

Für uns waren sie wichtig, um den Fortbestand des Wildapfels zu sichern. Mit Unterstützung des Staatsbetriebes Sachsenforst und des Julius Kühn-Instituts in Pillnitz, welches zugleich Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen ist, haben wir Sämlinge angezogen und diese auf zwei Plantagen angepflanzt. Eine entstand mit 512 Sämlinge auf einer, einen halben Hektar großen Fläche bei Oberfrauendorf, die andere auf einer ein Hektar großen Fläche bei Klingenberg. Hier haben wir 1260 Sämlinge gepflanzt. Um die weitere Pflege der Bäume werden sich die Mitarbeiter des Sachsenforsts kümmern. Außerdem wurden 156 Sämlinge an anderen Standorten im Projektgebiet gepflanzt. Diese Bäumchen werden zukünftig von der Grünen Liga Osterzgebirge gepflegt.

Sie haben zwei Plantagen angelegt und einige Forschungsergebnisse vorgelegt. Was konnten sie mit Ihrem Projekt noch bewirken?

Das sind zwei Dinge. Zum einen ist es uns gelungen, das Image des Wildapfels zu verbessern. Ich glaube, viele Leute sind jetzt stolz, einen Wildapfel auf ihrem Grundstück zu besitzen, selbst wenn sie dessen Früchte nicht essen oder verarbeiten. Diesen Eindruck haben wir jedenfalls bei unseren Gesprächen vor Ort gewonnen. Zum anderen haben wir im Rahmen unseres Projektes auch nach Einsatzmöglichkeiten für die Früchte und das Holz des Wildapfels gesucht. Zusammen mit Partnern wurden wir fündig. So lässt sich aus den Früchten nicht nur Tee zubereiten, sondern auch Eis, Gelee und Holzapfelbranntwein wurden hergestellt. Künstler zeigten uns, dass sich aus dem Holz interessante Gegenstände herstellen lassen. Das alles hat uns bewogen, eine GbR zu gründen, die diese Produkte vermarktet. Besonders angetan waren wir von der Idee der Mitglieder des Osterzgebirgischen Kunstvereins in Dippoldiswalde. Die Künstler widmeten sich ein Jahr lang dem Wildapfel und schufen in dieser Zeit viele Kunstwerke, die auch in einer Ausstellung zu sehen waren.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz zum Projekt aus?

Ich bin sehr zufrieden, die Arbeit hat mir Spaß gemacht. Durch unsere Präsenz auf Naturmärkten und durch Beiträge in der SZ, konnten wir über unsere Arbeiten informieren, somit kannten uns die Leute. Sie riefen an und teilten uns mit, wo es noch Wildapfelbäume gibt. Andere kamen bei unseren Untersuchungen vor Ort auf uns zu. Nicht wenige haben sich spontan bei uns gemeldet, um uns zu helfen. Ehrenamtliche Helfer suchten nach fachlicher Anleitung, die Bäume auf, stellten die Merkmale fest, markieren sie und trugen sie in unser Kartierungsprogramm ein. Erstaunt hat uns auch das Interesse von Besuchern der Grünen Woche in Berlin, als wir dort das Projekt vorgestellt haben. Durch unsere Aktivität ist es uns gelungen, Menschen für den Erhalt des Wildapfels zu gewinnen und somit die biologische Vielfalt in der Landschaft für die Zukunft zu bewahren.

Das Gespräch führte Maik Brückner ( Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2770816)

 

Joomla templates by a4joomla